Zufälle regieren die Welt. Man kann sich nie auf sie verlassen und sie überraschen einen immer wieder - natürlich dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.
Du schreibst eine Geschichte .....
Ich wollte schon lange eine Geschichte in der Art der AD&D-Romane schreiben: "Wenn Du
dich nach links wendest, lese weiter auf Seite... " Diese Leseabenteuer bestehen aus lauter
Zufällen und persönlichen Entscheidungen - ja, sie bauen darauf auf.
Ein Partygespräch brachte mich auf das Thema: Seitensprünge. Jener Gast hatte sich wohl
schon tiefgreifende Gedanken über seine Reaktionen gemacht, aber nicht alle Konsequenzen
bedacht. Tja, wie würde man selbst reagieren, wenn der Partner einen Seitensprung beichtet?
Wie reagieren andere? Es dauerte gar nicht lange, bis aus diesen Gedanken eine Geschichte
geworden war - zumindest der Anfang davon.....
Du zeigst die Geschichte deinen Freunden, oder .....
Auf einem Stammtisch des #owl.de feierte die Geschichte "
Nur ein kleiner Seitensprung
/
Teil 1"
Premiere -
als gedruckter Text, den die Anwesenden begierig lasen. Gespannt auf den 2. Teil und durch mein
wiederholtes Statement, es würde durch noch mehr Leser interessanter, verbreiteten sie die URL
zu der Geschichte in alle Himmelsrichtungen. So erhielt ich am 28. März '98 eine Mail: kurz
und knapp in 4 Zeilen den Kommentar, darunter
Deine Neugier siegt und du besuchst
den #Hexenkessel, oder .....
Im #Hexenkessel war natürlich eine ganze Menge los: Bixie, pICARd_, Sarabi, Steinmaus,
champ, ..... Alles Leute, die ich nicht kannte, aber das sollte sich ziemlich schnell ändern.
Es stellte sich heraus, daß der Guido aus #owl.de sich einmal kurz auf den #Hexenkessel
verirrt hatte und dort meine URL bekanntgab. Ein purer Zufall also.
Aus einem Abend wurden mehrere, man unterhielt sich über die alltäglichsten Dinge wie zB. ein
schlechter Internet-Zugang, beruflicher Streß, Schuhgrößen, was man sich zum Abendbrot machen
könnte, liest bei Diskusionen anderer Leute mit oder erörtert technische Probleme - wie in fast
jedem Channel. Im Query war auch schon mal die Situation eines Singles das Thema (und das waren
wir ja nun beide). Ein Logausschnitt verdeutlicht wohl die Denkweise:
Du findest die Leute nett und würdest dich gern
mit ihnen treffen, oder .....
Das ging soweit, daß man mich spontan zur 1. #Hexenkessel-CP nach Düsseldorf einlud.
An jenem 2. Mai waren wir 7 Leute, die das "Abraxas" in Düsseldorf stürmten und bis
spät in die Nacht lachten. So laut lachten über unsere Ideen diverser Marktlücken im
Softwarebereich, daß andere Gäste Toilettengänger von uns auf unsere Heiterkeit ansprachen.
Außer thymin (Lüneburg) und mir (Bünde) hatten es die anderen nicht so weit bis nach Hause: sie
fuhren heim, wir übernachteten bei Steinmaus. Von hinlegen und schlafen war aber keine Rede,
so saßen wir wenig später zu dritt (!) und mehr oder weniger angeschwipst vor Steinmaus'
Rechner und fanden Bixie im #Hexenkessel, mit der wir vor einer halben Stunde noch in rl
gesprochen, gelacht und getrunken hatten. Ein Bericht von Bixie über diese 1. CP und das
Log des Abends sind
hier
zu lesen.
Private Themen sind bei euren Gesprächen
kein Tabu, oder .....
Aber nicht nur Frust, sondern auch ein wenig Neid auf andere Paare kam auf:
Ihr stellt gemeinsame Leidenschaften fest, oder .....
Wir verabredeten das eine oder andere Treffen, sahen uns aber erst am 18.7. zu meiner
Geburtstagsparty wieder. Inzwischen hatten wir beide eine gewisse Leidenschaft für ein ganz
besonderes Getränk entwickelt: brauner Tequila. Seit einer Tarantino-Filmnacht mit
"From dusk till dawn", Chili und Sol gehörte eben jene Leckerei für mich
danach zu den Stammgetränken diverser Feten, was sich auch in meinen Reviews darüber meist als
Untertitel niederschlug. So gab es denn auch auf dieser Feier mitten im Sommer Tequila, und
obwohl Guido den Großteil meiner Gäste zwar via IRC, aber nicht rl kannte, ließ er sich nach
3 Getränken dieser Art dazu hinreißen seine Gitarre auszupacken und bis fast 4 Uhr morgens
drauf zu klampfen.
Was nur wenige wissen: im Raum nebenan stand meine Konzertgitarre, die ich aber aus gutem Grund
da gelassen hab, sie stand eh schon lange Zeit unbenutzt dort herum.
Du kehrst immer wieder zurück, oder ....
Wäre nicht Ende Juli ein Termin in Frechen morgens früh um 10 Uhr gewesen, hätte alles anders
laufen können. Aber so fragte ich einfach ganz frech, ob ich bei Guido übernachten könnte.
Und wie ich konnte! Der Termin (einer Gruppe Kinder während einer Freizeit Jonglieren
beibringen) war wie erwartet stressig, der Ort schlecht zu finden und ich war alleine. Ich
habe zwar nicht das Motto: "Ich mag Kinder - mit Senf!", aber so eine Horde, noch dazu mit
einigen hyperaktiven dabei, ließen dann den 2. Teil meines Aufenthaltes bei Guido sehr
angenehm erscheinen, obwohl es nieselig und überhaupt nicht sommerlich warm war.
Du hast die Telefonnummer immer bei dir, oder .....
Würde ich sämtliche wichtigen Zettel mit Telefonnummern aus meinem Portemonnaie aussortieren,
wäre es wohl nur halb so dick. Das ich sie ständig dabei habe, rettete mir auf der Bierbörse
in Opladen Ende August ein Wochenende. Ich hatte mich in Aachen zu lange aufgehalten und
kam verspätet bei Steinmaus an. Der war aber schon weg. Da man wohlweislich nicht mit
dem Wagen zu einer Bierbörse fährt, nahm ich die S-Bahn und hab mich auch erst noch ganz grob
verfahren. Endlich am Opladener Bahnhof suchte ich mir die nächste Telefonzelle, den Zettel
mit der Telefonnummer und ... konnte leider nur eine Nachricht auf seiner Mailbox hinterlassen.
Im ersten Moment war ich ziemlich sauer, daß er nicht direkt erreichbar war, habe mich aber
entschlossen den Leuten zu folgen, und mir wenigstens die Börse einmal anzusehen. Ich war
auf der Uferpromenade schon etwa an der Hälfte der Stände vorbei, als er auf mich zugehastet
kam. Seine teilweise orangefarbene Regenjacke leuchtete mir entgegen, sonst hätte ich ihn
wohl auch übersehen. Sein Blick ging über die Menschenmassen hinweg - er hätte mich übersehen,
wenn ich mich ihm nicht direkt in den Weg gestellt hätte. Bei den vielen Leuten, die sich auf
dem riesigen Gelände drängten, war es fast ein Wunder, daß wir uns auf Anhieb getroffen haben.
Wenn man euch auseinander reißen will, haltet ihr
euch fest, oder .....
Es kam, wie es kommen mußte: seit einer Weile hatte man das Gefühl, endlich jemanden gefunden
zu haben, auf den man sich einlassen kann und der nicht so verdammt oberflächlich ist, wie
andere, mit denen man bisher zu tun hatte. Genau in diesen Taumel platzte Guidos Chef mit
der Ankündigung man wolle ihn ins Ausland versetzen. "Das ist doch eine großartige Sache
für so einen jungen und tüchtigen Mitarbeiter wie Sie", oder welche Worte er auch benutzt
haben mag, sie klangen wie die Ankündigung, gleich aufs Schafott geführt zu werden.
Wie sollte es weitergehen, wenn er nach Thailand versetzt würde? Geht es überhaupt weiter?
Oder ist es besser schon im Vorfeld zu sagen, daß alles keinen Sinn hat? Verstehen wir uns gut
genug, um eine gemeinsame Zukunft zu planen? Was wird aus meinem Beruf, wenn ich mitgehe?
Werde ich als Frau überhaupt Chancen haben, dort zu arbeiten und zu lernen?
All diese Fragen standen eine ganze Zeit zwischen uns. Wir beschlossen, sie zu ignorieren und
erst einmal das Leben gemeinsam zu genießen, was genau richtig war. Fast 3 Monate später gab es
"Entwarnung": man wollte ihn erst nach dem Jahr 2000 ins Ausland gehen lassen. Bis dahin
habe ich meine Ausbildung so weit beendet, daß ich mich spezialisieren kann.
Bisher habe ich vermieden daran zu denken, was geschehen wäre, wenn wir beschlossen hätten,
daß jeder wieder seinen eigenen Weg geht. Ich kann mir nicht vorstellen, wie mein Leben jetzt
aussehen würde, aber ich weiß, ich hätte viel verpaßt.
Entweder du hast einen Geistesblitz für ein
Geschenk, oder .....
Eine Party rückte näher und näher, doch mir fiel beim besten Willen nichts ein, was ich einem
Diplom-Informatiker zu seinem 30. Geburtstag schenken konnte. Das ergab sich aber wenige Tage
nach einem ungewöhnlichen gemeinsamen Wochenende in Monschau. Zur 800-Jahrfeier der Burg wurde
auf dem Gelände ein mittelalterlicher Markt veranstaltet. Zwischen Freß-,
Sauf- und anderen Ständen sollte ich als fliegende Händlerin in Sachen Bänder und Wolle
agieren und hatte Guido und Major-Tom dorthin eingeladen. Ausgerechnet zu diesem Markt war
auch der Bader anwesend. Ich habe nach lausig
kalten Markttagen ein warmes Bad im Zuber schätzen gelernt, doch an diesem Wochenende
mußte ich dem Wasser fernbleiben. Major-Tom wollte jedoch abends unbedingt noch im Zuber baden,
allerdings nicht alleine. So hat Guido sich breitschlagen lassen, ihm
Gesellschaft zu leisten. Beide hatten jedoch im Laufe des Tages dem Gerstensaft, Met und später
auch dem mitgebrachten Tequila erheblich zugesprochen, daß sie nicht nur traumlos und fest
schliefen (und dabei die ganze Turnhalle, in der die Aktiven übernachteten, beschnarcht
hatten),
sondern sich auch nicht erinnern konnten, daß von ihrem Bad im Zuber Fotos gemacht worden sind.
An sich wollte ich die Lüge ja aufklären, aber da sich die Panik bei den beiden über Tage
hinweg wegen möglicherweise peinlichen Fotos steigern ließ, kam mir plötzlich eine sehr gute
Idee für ein Geburtstagsgeschenk.
Auf der Feier gab der Alchemikus seine Show zum Besten, natürlich war ich auch gewandet
(durch Zufall hatte ich die Gewandung bei dieser Fahrt meines Umzuges nach Aachen im Wagen),
und als er dann geendet hatte, berichtete ich dem Volk von den seltsamen Begebenheiten auf dem
Markt zu Monschau. Ich sprach von 2 fremdartig gewandeten Besuchern, ihrem Interesse an
jener Zeit, welches besonders dem
flüssigen Brot, dem Met und dem Zuber galt, sprach von einem Schnellzeichner und Gemälden, die
während des Bades gemacht wurden (kleine Anmerkung: der Bader war überrascht so badelustige
Touristen in seinem Zuber zu finden!) und welche man von einem Zauberer, der rechteckige
Kristalle zu befragen weiß, auf eine schwarze Scheibe bannen ließ. Ich überreichte Guido eine
Diskette, erwähnte noch, daß sie sich beklagt hätten kein Weibsvolk im Zuber vorzufinden, und
gab ihm mit einem Korb mit Badezusätzen, Schwamm, Kerze und Wein, die Möglichkeit ein
Weibsbild in seinen keramischen Zuber einzuladen.
Was er nicht wußte: die Bilder vom Zuberbad existierten nicht! Für Fotos war es zu dunkel und
ein Blitzlicht hätten sie bemerkt. Auf der Diskette befanden sich
Bilddateien, die er brauchte, um sich ein schon längst geplantes T-Shirt drucken zu lassen.
Major-Tom und einige andere Freunde aus dem #Hexenkessel hatte ich wenige Stunden vorher
davon in Kenntnis gesetzt - nur Guido wußte es nicht und wäre am liebsten beim Wort
"Monschau" im Boden versunken.
Deine Freunde sind der Meinung, Du hast eine gute
Wahl getroffen, oder .....
Nun ist das nicht so einfach seinen Freunden zu erklären, warum man plötzlich mit den
Gedanken abwesend ist - und vor allen Dingen bei wem. Dazu noch einmal ein kleines Log
über Reaktionen von Freunden zu neuen Partnern:
Du entscheidest dich nachzulernen, oder .....
Schon seit dem Sommer sprach er davon, nach New York reisen zu wollen. Eigentlich alleine -
bis er dann auf die Idee kam, mich mitnehmen zu wollen. Was tun? Ich hatte Vorlesungen, New
York lockte. Eine ganz dumme Frage gab dann den Ausschlag: "Wann kommst du schon mal wieder
nach New York?"
Es wurde eine Reise voller Überraschungen: Abflug bei Schneetreiben, Ankunft bei sommerlichen
20›C. (Ein Bericht mit Bildern ist in Vorbereitung.) Auch wenn ich abends quengelig und so
geschafft war, daß ich kaum mehr Tagebuch schreiben konnte, war der Trip in die Metropole
zur Weihnachtszeit einfach klasse.
Du spielst ganz heimlich Christkind, oder .....
Weihnachten ist schon immer ein schwieriges Fest gewesen. Wo verbringt man mit wem welche
Festtage oder was bereitet man zu essen vor. Da für uns beide der 24. ein Familientag ist,
lagen gut 200km zwischen uns. Damit er nicht so ganz "alleine" im Kreis der Familie war,
hab ich auf meiner Heimfahrt einen kurzen Abstecher gemacht und ein Päckchen mit
selbstgemaltem Weihnachtspapier (ich hatte kein anderes) bei ihm hinterlassen.
Am 24. mußte er kleinere Sticheleien über sich ergehen lassen, da sich in dem Päckchen ein
gelbes Wollknäuel befand und die Aufforderung es ganz abzuwickeln. Der Zettel
am anderen Ende war aber kein Gutschein für eine Schultermassage .....
Du freust dich auf eine gemeinsame Silvesterfeier,
oder .....
Der Abend begann wie jeder Silvesterabend auch - wie fast jeder Silvesterabend: das "Dinner
for one" konnten wir leider nicht sehen, weil wir zur Sendezeit schon mit ein paar
(16) anderen Leuten beim Italiener saßen und es uns schmecken ließen. Für die letzten 4-5
Stunden des Jahres hatten wir Karten für eine Veranstaltung. Die Halle war ungewöhnlich,
aber groß genug, das Publikum vom Alter her sehr gemischt (von 16-jährigen in Jeans und Shirt
bis zu Ehepaaren Mitte 60 In schwarzem Anzug und Abendkleid), Frauen auf dem Männerklo, weil
einfach zuviel Andrang bestand und manch eine 10 Minuten lang nicht aufhalten konnte oder
wollte, und ein außergewöhnlich schlechtes Programm! Der DJ legte zuerst Musik für die ältere
Generation auf: Schunkellieder, Schlager, Walzer und ähnliches, was bei jungen Leuten in die
Schublade "Musik für's Altersheim" fällt. Man hatte sich dran gewöhnt und Spaß dran gefunden,
als die Brasiltänzerinnen auf die Bühne gebeten wurden. Die Kostüme waren wie erwartet knapp,
der Kopfschmuck dagegen reichlich, aber was geboten wurde, war unter aller Sau. Fand ich
jedenfalls, weil mir nicht die Augen wegen der leichtbekleideten Mädchen aus dem Kopf fielen
wie manch einem der männlichen Besucher.
Ein ausgesprochener Lichblick dagegen war eine Lokalband aus Düsseldorf, die selbstgeschriebenes,
wie auch Titel von Guildo Horn und Udo Jürgens brachte. Komisch, daß mir ein Medley mit "Ein
ehrenwertes Haus" und "Aber bitte mit Sahne" so in die Beine ging - noch dazu kannte ich die
Texte. Bin ich wirklich schon so alt????
Wenn sich eine Band "Die Ballermänner" nennt, kann man schon ohne sie gehört zu haben sagen,
was sie für Musik machen und ob sie einem gefällt. Ich habe mich während ihres Auftritts in
der Nebenhalle mit einem anderen Mädel unterhalten, um bloß nicht diesem Lärm ausgesetzt zu
sein.
Nach diesen Höhen und Tiefen einer Silvesterparty dachte ich um Mitternacht eigentlich an
nichts weiter aufregendes, vielleicht daß uns mit dem Neuen Jahr bessere Musik oder
Freibier passieren könnten oder daß ich mit den Anwesenden der Hilden-Pub-Clique Brüderschaft
trinke - aber nicht mit einer Frage, auf die man sich die Antwort sehr genau überlegen sollte.
Für eine Person überlegte ich eine Ewigkeit, für mich selbst war schon ziemlich schnell klar,
was ich antworte.
Nur daß diese überlegungen jetzt schon in Streß ausarten, hätte ich nicht vermutet.
Aber er tut gut.